In Wikipedia steht: „Der Begriff Portfolio (lat. portare „tragen“ und folium „Blatt“), selten Portefeuille, bezeichnet eine Sammlung von Wertanlagen eines Typs.“ Das klingt nett, ein Portfolio ist eine Sammlung von Wertvollem...und was wertvoll ist, bestimme ich. Ich werde mir bewusst darüber, wo ich bin und wo ich hin will und ich beobachte mich selbst auf dem Weg dahin. Dabei wird der Weg zum Ziel.
Stichworte: Individualisierung, kritische Selbstreflexion, Sprachbewusstsein, aktive Kreativität, Autonomie und Verantwortung sowie das Lernen mit Kopf, Herz und Hand.
Persönlich denke ich bei Portfolio an meine Kunstmappen, in denen ich „Werke“ sammelte, die für mich einen unermesslichen immateriellen Wert haben. Was mir an der Portfolio-Idee gefällt, ist die Wertschätzung des Individuums und seiner persönlichen Stärken und Schwächen, sowie die Kreativität, die der konstruktivistische Ansatz unterstützt.
Der Widerspruch zwischen persönlichen, kreativen Produkten und allgemeinen Bewertungskriterien ist dabei eine Herausforderung. Idealerweise bewertet der Lerner sich selbst und seine Lernfortschritte, Noten fallen weg. Allerdings brauchen viele Lerner auch Zertifikate für ihren weiteren Lebenslauf, um ihre Sprachkompetenz unter Beweis zu stellen (oder?); auch wenn ich Portfolios für aussagekräftiger halte. Mit Tests zu bewerten ist einfacher, aber es kommt den individuellen Fähigkeiten nicht so gerecht (z.B. auch weil es Test-Allergiker gibt). Die Selbstbewertung wie auch die Fremdbewertung ist anspruchsvoller für Lerner & Lehrer und erfordert sehr viel Aufmerksamkeit. Natürlich sind manche Lerner mehr, manche weniger dem hohen Anspruch gewachsen, sich selbst Ziele zu setzen, den eigenen Lernprozess zu bewerten und sich dann ehrlich und kritisch selbst zu bewerten. Dabei mag es nicht nur interkulturelle Unterschiede geben. Hier wäre besondere Unterstützung durch den Lehrer gefragt, vielleicht auch traditionellere Alternativangebote.
Gut finde ich übrigens die Unterscheidung zwischen Portfolio und Dossier (als Vorzeige-Portfolio)! So kann im Portfolio erstmal „alles“ gesammelt werden, und die Auswahl einzelner Arbeiten für das Dossier erfolgt im Nachhinein.
Wie könnten Lernerportfolios hier im Goethe-Institut Jakarta umgesetzt werden?Vielleicht in Unterrichtsprojekten, die freiwillig fortgeführt werden… oder als Angebot in Individualkursen… vielleicht in Anfängerklassen schrittweise und gelenkt durch Blogs, in die die Lerner z.B. ihre Ich-Texte eintragen, und auf ihrer Muttersprache kommentieren, was sie schon können?
Liebe Ratna,
)))
Ich wollte dir mal gratulieren zu deinem reifen Beitrag im BLOG, besonders hilfreich ist deine Reflektion über die Vorteile und Schwierigkeiten der Evaluation und/oder Bewertung.
Der Auseinandersetzung, und nicht immer leicht, zw. Fremd und Selbsteinschätzung.
Dein vorschlag zur praktischen umsetzung der Methode hab ich mir schon aufgeschrieben.
Vielen Dank und noch mal : Super tolle Leistung!!!
Liebe Ratna:
Schönen guten Morgen nach Jakarta!!
Ich wollte dir mal für deine reife Veröffentlichung im BLOG gratulieren!
Besonders hilfreich war, was du : Fleisch zum Knochen genannt hast!
Das Fleisch ohne Knochen kann nicht stehen…
Du hast mir den Dialog zw. Praxis und Theorie angeregt und ermöglicht. Und das nennt man Reflektion.
Unter vielen andreren Stärken fand ich deine Reflektion zur Auseindarsetzung zw. Selbst- und Fremdevaluation.
Ich bedanke mich herzlich!
Marcos Ueda
Liebe Ratna,
auch ich möchte mich in Deinem gemütlichen Blog endlich mal melden
Vielen Dank für Deine fabelhafte Zusammenfassung der Portfolio-Methode! Ich muss sagen, Du besitzt ein richtiges Talent, so dass man Lust bekommt, Deine „frischen“ Beiträge immer wieder zu lesen. Einfach klasse!!
Im Zusammenhang mit dem Portfolio finde ich die Frage der fehlerhaften Selbsteinschätzung (zu hoch bzw. zu niedrig) auch sehr wichtig. Meines Erachtens kann die nicht adäquate Selbstbewertung bei der Durchsetzung der Portfolio-Methode zu einem Störfaktor werden. Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist für mich der Aufbau des Vertrauens gegenüber den Lernenden u.z. in ihre kritische Selbstbewertungskompetenz. Es ist eine wichtige Aufgabe des Lehrers, diese Kompetenz zu fördern.
Interessant finde ich auch Dein Stichwort „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“. Mit dem Portfolio erfolgt tatsächlich das Lernen mit allen Sinnen! Die Lernenden sind ständig sozusagen am Basteln: sie schreiben, malen, zeichnen, schneiden, kleben, formatieren (Hallo, ein digitales Portfolio! ) Diese Basteltätigkeit kann doch sehr fördernd und motivierend sein, besonders bei den Kleinen, aber nicht nur. Diese „Sammeltätigkeit“ verhilft dazu, dass sich die Lernenden intensiver mit den Lerninhalten auseinander setzen, sie in eigene Lern- und Denkprozesse miteinbeziehen. Da komme ich auch auf das Stichwort „Binnendifferenzierung“, durch die Methode werden die Lernertypen angesprochen, die gern sammeln, systematisieren, schreiben, aber auch was mit Händen machen.
In einem Blog habe ich einen interessanten Vergleich des Portfolios mit einem Fotoalbum entdeckt. Toll, nicht wahr?
Optimistisch
Irina.